FAZ: Der Siegeszug der Billig-Software

Aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 06.04.2004, Nr. 82 / Seite 20, „Informationstechnologie“. Von Carsten Knop:

Marten Mikos ist ein ehrgeiziger Mann. Er möchte den klassischen Anbietern von Datenbanksoftware wie IBM, Oracle oder BEA Systems den Boden unter den Füßen ihres Geschäftsmodells wegziehen. Von ihm stammt das Zitat, daß er eine Branche mit einem Jahresumsatz von 10 Milliarden Dollar in eine Branche mit einem Umsatz von nur noch 1 Milliarde Dollar verwandeln will.

Das klingt zunächst nicht nach einer sinnvollen Idee – es sei denn, MySQL, das Unternehmen, dem Mikos vorsteht, baut sein Geschäft auf sogenannter „Open-Source“-Software auf. Und das ist der Fall: MySQL bietet eine Datenbanksoftware an, die zwar nicht so ausgefeilt ist wie die Angebote von IBM oder Oracle. Doch das Programm ist kostenlos.

Nur wenn ein Kunde auch an der Wartung und Unterstützung des Programms durch den Hersteller interessiert ist, kostet das wenige Hundert Dollar im Jahr – für jeden Netzwerkrechner (Server) auf dem die Software von MySQL installiert ist. Mikos und sein Unternehmen leben von diesen zahlenden Kunden. Aber auch diejenigen, die kostenlos zugreifen, helfen Mikos. Denn sie dienen der Qualitätskontrolle und entwickeln das Programm weiter. „Ein einzelner Hinweis kann die Arbeit vieler Programmierer ersetzen“, sagt Mikos.

Oracle streitet Bedrohung ab

Die etablierte Anbieter kostenpflichtiger Datenbanksoftware, allen voran Oracle, streiten natürlich ab, von MySQL wirklich bedroht zu sein, und verweisen auf ihren Entwicklungsvorsprung von angeblich zehn Jahren. Die „Open-Source“-Programme dienten der Marktverbreiterung und steigerten mittel- und langfristig den Umsatz der traditionellen Anbieter – eben dann, wenn „Open Source“ den Bedürfnissen nicht mehr genüge.

Ob diese Strategie aufgeht, wird von manchem Branchenkenner bezweifelt. So dürfte sich der Leistungsunterschied künftig weiter verringern, zudem setzen immer mehr Unternehmen und besonders öffentliche Verwaltungen „Open-Source“-Software in wichtigen Bereichen ihrer Arbeit ein. Auf der Computermesse Cebit in Hannover hatten Anbieter wie das amerikanische Unternehmen JBoss, der Marktführer bei sogenannter Applikationsserver-Software, die Netzwerkrechnern hilft, bestimmte Anwenderprogramme zur Verfügung zu stellen, sogar Unterschlupf auf Ausstellungsflächen gefunden, die mit öffentlichen Geldern geförderten wurden.

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